So entsteht professionelle Elektroplanung

EPLAN Workflow Schritt-für-Schritt:

Ein strukturierter EPLAN Workflow ist die Grundlage für effiziente und normgerechte Elektroplanung. Von der initialen Projektanlage über die detaillierte Schaltplanerstellung bis zur finalen Dokumentation – jeder Prozessschritt folgt bewährten Best Practices und gewährleistet höchste Qualität in der industriellen Automatisierung.

Die Elektroplanung mit EPLAN Electric P8 erfordert einen strukturierten und systematischen Ansatz. Über 15 Jahre Projekterfahrung in der industriellen Automatisierung haben uns gezeigt, dass ein klarer Workflow nicht nur Zeit spart, sondern auch die Qualität der Dokumentation erheblich verbessert und Fehler in späteren Projektphasen vermeidet.

In diesem Leitfaden erläutern wir den kompletten EPLAN Workflow, wie wir ihn bei Masterwerk für Projekte in der Automotive-Industrie, Halbleiterfertigung und im allgemeinen Maschinenbau einsetzen. Dieser Prozess hat sich in hunderten Projekten bewährt und erfüllt höchste Industriestandards wie VASS, TMO und Integra.

EPLAN Workflow Schritt-für-Schritt

Phase 1: Projektvorbereitung und Anforderungsanalyse

Jedes erfolgreiche EPLAN-Projekt beginnt mit einer gründlichen Vorbereitung. In dieser Phase werden die Weichen für den gesamten Projektverlauf gestellt.

Anforderungen systematisch erfassen

Bevor die erste Leitung im EPLAN gezeichnet wird, analysieren wir detailliert die technischen Anforderungen. Welche Steuerungstechnik kommt zum Einsatz – Siemens TIA Portal, Beckhoff TwinCAT oder eine andere Plattform? Welche Safety-Funktionen sind erforderlich? Gibt es spezifische Kundenvorgaben oder Industriestandards, die berücksichtigt werden müssen?

Diese Informationen werden strukturiert in einem Lastenheft dokumentiert. Besonders wichtig ist die Klärung der Schnittstellen zu anderen Gewerken wie Mechanik, Pneumatik oder Hydraulik.

Projektstruktur definieren

Die Projektstruktur bildet das Rückgrat der gesamten Dokumentation. Wir legen fest, wie das Projekt in EPLAN aufgebaut wird: Welche Seitenstruktur verwenden wir? Wie werden die Betriebsmittelkennzeichen (BMK) vergeben? Welche Namenskonventionen gelten für Signale und Verbindungen?

Eine konsistente Struktur erleichtert nicht nur die Arbeit im Engineering-Team, sondern auch die spätere Wartung und Erweiterung der Anlage. In Automotive-Projekten orientieren wir uns an VASS-Vorgaben, im Maschinenbau an TMO-Standards.

Phase 2: Projektanlage in EPLAN Electric P8

Mit klaren Anforderungen und einer definierten Struktur beginnt die eigentliche Arbeit in EPLAN Electric P8.

Projekt einrichten und konfigurieren

Der erste Schritt ist die Anlage eines neuen EPLAN-Projekts. Wir wählen die passende Projektvorlage aus unserer bewährten Bibliothek, die bereits grundlegende Einstellungen wie Seitenformate, Zeichnungsrahmen und Standardsymbole enthält. Diese Vorlagen haben wir über Jahre optimiert und an Industriestandards angepasst.

Entscheidend ist die korrekte Konfiguration der Projekteigenschaften: Normen (IEC, NFPA), Sprachen für mehrsprachige Dokumentation, und die Festlegung des Artikelverwaltungssystems.

Stammdaten und Makros vorbereiten

Die Qualität der EPLAN-Dokumentation steht und fällt mit der Qualität der verwendeten Stammdaten. Wir pflegen eine umfangreiche Makrobibliothek mit vorgefertigten Schaltungskomponenten – von Standard-Motorstromkreisen über Safety-Funktionen bis zu komplexen Roboter-Ansteuerungen.

Diese Makros sind nicht nur Zeitsparer, sondern auch Qualitätssicherer. Sie wurden in echten Projekten erprobt, enthalten die korrekten Artikeldaten der Komponenten und sind normgerecht aufgebaut.

Phase 3: Schaltplan-Engineering

Nun beginnt die Kernarbeit: Die Erstellung der eigentlichen Schaltpläne.

Übersichtsschaltplan erstellen

Der Übersichtsschaltplan bildet die Gesamtanlage auf höchster Ebene ab. Hier werden die Hauptstromkreise, Energieverteilungen und die grundsätzliche Struktur der Steuerungstechnik dargestellt. Dieser Plan dient als Navigator für die Gesamtanlage.

Detaillierte Stromlaufpläne entwickeln

Die Stromlaufpläne zeigen alle elektrischen Verbindungen im Detail. Hier werden Schütz, Relais, Sensoren, Aktoren und alle weiteren Komponenten eingetragen. Wir arbeiten dabei nach dem Prinzip der funktionalen Gliederung.

Safety-Funktionen integrieren

In modernen Industrieanlagen sind Safety-Funktionen unverzichtbar. Die Safety-Stromkreise werden nach den Vorgaben von ISO 13849 oder IEC 62061 ausgelegt und in EPLAN separat gekennzeichnet. Wir verwenden spezielle Symbole und Farben.

Phase 4: Klemmen- und Kabelplanung

Mit den Stromlaufplänen als Grundlage beginnt die praktische Umsetzungsplanung.

Klemmenpläne generieren

EPLAN generiert aus den Stromlaufplänen automatisch die Klemmenpläne. Diese zeigen detailliert, wie jeder einzelne Draht an den Reihenklemmen angeschlossen wird. Wir optimieren die automatisch generierten Pläne und gruppieren Signale logisch.

Die Klemmenkennzeichnung folgt einem klaren System: Jede Klemme erhält eine eindeutige Nummer, die sowohl im Stromlaufplan als auch im Schaltschrank sichtbar ist.

Kabellisten und Verdrahtungspläne

Für jeden Kabelweg zwischen Schaltschrank und Feld erstellt EPLAN automatisch Kabellisten. Diese enthalten alle relevanten Informationen: Kabeltyp, Querschnitt, Länge, Beschriftung an beiden Enden.

Die Verdrahtungspläne zeigen der Fertigung exakt, welcher Draht wohin führt. Bei komplexen Schaltschränken mit hunderten Verbindungen ist dies unverzichtbar für eine fehlerfreie Montage.

Phase 5: Schaltschrankaufbau mit EPLAN Pro Panel

Die 3D-Planung mit EPLAN Pro Panel optimiert den physischen Aufbau der Schaltschränke.

3D-Layout entwickeln

In EPLAN Pro Panel platzieren wir alle Komponenten dreidimensional im Schaltschrank. Dabei beachten wir Wärmeentwicklung, Zugänglichkeit für Wartung und normgerechte Abstände. Die 3D-Planung deckt Platzkonflikte auf, bevor der erste Schaltschrank gebaut wird.

Montagepläne und Bohrbilder

Aus dem 3D-Modell generiert EPLAN Pro Panel automatisch Montagepläne mit exakten Positionsangaben für jede Komponente. Die Bohrbilder zeigen millimetergenau, wo Befestigungsbohrungen gesetzt werden müssen. Dies beschleunigt die Fertigung und gewährleistet eine präzise Montage.

Phase 6: Dokumentation und Berichte

Eine vollständige und übersichtliche Dokumentation ist essenziell für Betrieb und Wartung der Anlage.

Automatische Reports generieren

EPLAN generiert aus den Projektdaten automatisch umfangreiche Reports: Stücklisten mit allen benötigten Komponenten, Kabellisten, Klemmenlisten, Gerätelisten. Diese Reports dienen als Grundlage für die Beschaffung und Kalkulation.

Mehrsprachige Dokumentation erstellen

Für internationale Projekte erstellt EPLAN mehrsprachige Dokumentation auf Knopfdruck. Alle Texte – von Bauteilbezeichnungen bis zu Funktionsbeschreibungen – werden in den gewünschten Sprachen ausgegeben.

Phase 7 & 8: Prüfung, Übergabe und Inbetriebnahme

Vor der Freigabe durchläuft jedes EPLAN-Projekt eine systematische Qualitätsprüfung, gefolgt von der Übergabe.

Qualitätssicherung

Automatische Prüfung: EPLAN untersucht das Projekt auf Fehler wie fehlende Querverweise oder doppelte BMK.

Manuelles Review: Erfahrene Ingenieure prüfen die technische Logik und Safety-Funktionen. Bei kritischen Projekten führen wir Cross-Reviews durch.

Übergabe & Inbetriebnahme

Dokumentationspaket: Sie erhalten alle Unterlagen digital (PDF, EPLAN) und gedruckt.

Support: Unsere Ingenieure unterstützen bei der Inbetriebnahme. Erkenntnisse fließen in die As-Built-Dokumentation zurück.

Best Practices & Häufige Stolpersteine

Über Jahre haben wir Best Practices entwickelt, die den EPLAN Workflow deutlich beschleunigen und die Qualität erhöhen.

Erfolgsfaktoren
  • Makrobibliotheken: Wiederverwendung geprüfter Schaltungsteile spart Zeit und sichert Qualität.
  • Stammdatenpflege: Aktuelle Artikeldatenbanken verhindern Fehler bei der Beschaffung.
  • Automatisierung: Scripts für Reports und Exporte reduzieren manuelle Aufwände.
  • Teamstruktur: Klare Aufteilung und zentrale Datenverwaltung bei Großprojekten.
Häufige Fehler vermeiden
  • Unklare Anforderungen: Wir starten erst nach detaillierter Klärung.
  • Inkonsistente Namen: Klare Konventionen sind Pflicht.
  • Fehlende Stammdaten: Wir ergänzen Daten sofort zentral.

Integration & Zukunft des EPLAN Workflows

EPLAN ist Teil einer umfassenden Engineering-Toolchain. Die Integration mit anderen Systemen optimiert den gesamten Entwicklungsprozess.

TIA Portal Anbindung

Bidirektionaler Austausch von Signallisten und Hardwarekonfigurationen vermeidet Medienbrüche.

CAD-Datenaustausch

Austausch von Bauteildaten und Positionen mit mechanischen CAD-Systemen für eine Gesamtbetrachtung.

ERP-Integration

Direkte Übernahme von Stücklisten ins ERP-System beschleunigt die Beschaffung.

Blick in die Zukunft

Cloud-Collaboration

Standortübergreifende Zusammenarbeit in Echtzeit mit EPLAN Cloud.

KI im Engineering

KI-gestützte Komponentenauswahl und Plausibilitätsprüfungen.

Digitale Zwillinge

Virtuelle Inbetriebnahme vor dem physischen Bau durch verknüpfte Daten.

Häufig gestellte Fragen zum EPLAN Workflow

1. Wie lange dauert ein typisches EPLAN-Projekt?

Die Projektdauer variiert stark je nach Umfang und Komplexität. Einfache Schaltschränke mit wenigen Seiten können in 1-2 Wochen fertiggestellt werden. Mittlere Projekte mit 50-100 Seiten benötigen 3-6 Wochen, während große Anlagen mit mehreren hundert Seiten 2-4 Monate in Anspruch nehmen können. Entscheidend sind Faktoren wie Anzahl der Komponenten, Komplexität der Steuerungstechnik und Umfang der Dokumentation.

2. Welche EPLAN-Version wird empfohlen?

Wir empfehlen EPLAN Electric P8 in der aktuellen Version 2024. Diese Version bietet optimale Stabilität, umfangreiche Makrobibliotheken und vollständige Normunterstützung. Für die 3D-Planung von Schaltschränken setzen wir zusätzlich EPLAN Pro Panel ein. Beide Tools bieten nahtlose Integration und ermöglichen einen durchgängigen digitalen Workflow.

3. Was kostet die EPLAN-Erstellung für einen Schaltschrank?

Die Kosten für EPLAN-Dokumentation hängen vom Projektumfang ab. Einfache Schaltschränke starten bei etwa 1.500-3.000 Euro. Mittlere Projekte mit umfangreicher Steuerungstechnik liegen bei 5.000-15.000 Euro. Komplexe Anlagen mit mehreren Schaltschränken und umfangreicher Dokumentation können 20.000-50.000 Euro oder mehr kosten. Wir erstellen für jedes Projekt ein individuelles Angebot basierend auf Ihren spezifischen Anforderungen.

4. Welche Normen müssen bei der EPLAN-Erstellung beachtet werden?

Bei der EPLAN-Erstellung sind zahlreiche Normen relevant: IEC 61082 für Dokumentationsstruktur, IEC 60617 für grafische Symbole, IEC 61346 für Strukturierung und Referenzkennzeichnung, sowie branchenspezifische Standards wie VASS (Automotive) oder TMO (Maschinenbau). Die Einhaltung dieser Normen gewährleistet eindeutige Dokumentation und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Engineering, Fertigung und Inbetriebnahme.

5. Kann EPLAN mit anderen CAD-Systemen integriert werden?

Ja, EPLAN bietet umfangreiche Integrationsmöglichkeiten. Die EPLAN Data Portal-Schnittstelle ermöglicht den direkten Zugriff auf Herstellerdaten. Über standardisierte Schnittstellen wie AutomationML können Daten mit anderen Engineering-Tools ausgetauscht werden. Die EPLAN API erlaubt die Entwicklung individueller Erweiterungen und Anbindungen an ERP-, PLM- oder PDM-Systeme für einen durchgängigen digitalen Workflow.

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